Deutsches Korps IUKK
Deutsches Korps IUKK

Aktuelles

Homepage online

Das DK stellt sich vor.

Lienzer Kosakentragödie 01.06.1945

 

 

 

 

Nach dem 2. Weltkrieg, zur Zeit der englischen Besatzungsmacht im Bereich von Osttirol, begann am 29. Mai die Auslieferung von Kosaken-Generälen und -Offizieren. Am 1. Juni 1945 wurden nach längeren Schlägereien und unter Anwendung von Schusswaffen insgesamt 6500 Kosaken aus Lienz zur damaligen Demarkationslinie bei Judenburg-Steiermark gebracht und an das seinerzeitige Regime von Russland übergeben. An diesem Abend streiften im Lager in der Peggetz verwundete Menschen umher, auf der Suche nach verschwundenen Familienmitgliedern.

Auch in Oberdrauburg wurden ähnliche Maßnahmen wie in der Peggetz getroffen. Hier wurden 1749 Kosaken in die Viehwaggons eingesperrt und nach Judenburg gebracht.

Am 2. Juni wurden am Bahnhof von Nikolsdorf 1750 Kosaken mit Gewalt zum Transport überstellt und am 3. Juni wurden nochmals 1487 Menschen ausgeliefert. Die Deportierungen wurden täglich bis zum 7. Juni durchgeführt. Während dieser 10 Tage wurden 35000 Kosaken abtransportiert. Laut Emil Winkler, Bürgermeister von 1938 bis 1945 in Lienz, kamen etwa 3000 Männer, Frauen und Kinder ums Leben. Fast 1000 Menschen sollen sich in ihrer Verzweiflung in die Hochwasser führende Drau geworfen haben und ertrunken sein.

Tagelang haben die Bauern von Lienz und Nikolsdorf - Oberdrauburg die Toten – vornehmlich Frauen und Kinder in den Schoss der Mutter Erde gebettet. Nur selten wurde ein Hinweis auf die Identität der Toten gefunden. Immerhin konnten doch dem einen oder anderen Opfer der Name auf das bescheidene Grabkreuz geschrieben werden.

 

Quelle: http://www.kosaken-lienz1945.com/lienz-deu-geschichte.htm

 

 

In den letzten Wochen des Krieges versuchte von Pannwitz, um sich nicht den nachstoßenden sowjetischen und jugoslawisch-kommunistischen Partisa­nen­ver­bän­den ergeben zu müssen, und weil er wusste, was seinen Kosaken im Falle einer Gefangennahme durch die Sowjets bevorstehen würde, mit den Kosakenverbänden (und ihren Familien) über den Plöckenpass das englisch besetzte Kärnten zu erreichen, wo er am 9. Mai 1945 auf die 11. britische Pan­zer­division traf.
Nach der endlosen Odyssee glaubten von Pannwitz und die Kosaken, den ret­tenden Westen erreicht zu haben. Unter den Briten glaubten sie sich sicher.
In Lienz (Osttirol) wurde das Hauptquartier aufgeschlagen. Im Tross dieser "verlorenen Armee", wie sie vom russischen Schriftsteller Alexander Sol­sche­nizyn genannt wurden, befanden sich auch zahlreiche Angehörige der Kämp­fer, etwa 1.500 Kinder und 3.000 Frauen, alte Menschen und Geistliche. Dazu kamen auch mehr als 5.000 Pferde, die in­ner­halb kurzer Zeit die Wiesen der Umgebung kahl fraßen. Dies ist einer der Gründe, weshalb die Einheimischen den Kosaken gegenüber sehr zu­rück­hal­tend blieben. Sie fühlten sich durch die Anwesenheit der Kosaken sogar bedroht.
In den folgenden Tagen eilte von Pannwitz von Lager zu Lager, um seinen Kosaken beizustehen und ihre Interessen bei den britischen Stellen zu ver­treten. Mehrfach wurde den Kosaken von den Engländern versichert, dass niemand an Stalin ausgeliefert werde. Noch am 24. Mai sagte ein britischer Oberst vor den versammelten Kosaken-Führern: "Meine Herren, bleiben Sie ruhig. Bis jetzt hat es noch keinen Fall gegeben, in dem Kriegsgefangene, die unter der Obhut der britischen Krone stehen, an einen anderen Staat aus­ge­liefert worden wären".
Tatsächlich war aber zu diesem Zeitpunkt von den Großen Dreien in Jalta bereits anders entschieden worden: Die UdSSR hatte durchsetzen können, dass Sowjetbürger, die von den Westmächten befreit oder gefangen ge­nom­men wurden, an die UdSSR auszuliefern seien. Die britische Regierung be­fürch­tete anscheinend auch, dass Stalin die beim Vormarsch durch die So­wjets befreiten britischen Kriegsgefangenen als Faustpfand zurückbehalten könnte, solange die Kosakeneinheiten nicht repatriiert worden wären.
Die unmenschliche Aktion begann am 28. Mai: Nachdem die britischen Ar­mee­stellen eine freiwillige Waffenabgabe der Kosaken erreicht hatten, wurden mehr als 1.500 Offiziere aus mehreren Lagern zu einer vorgetäuschten Kon­ferenz in Spittal an der Drau gelockt, dort handstreichartig festgenommen, auf Lastwagen geladen und nach Judenburg gefahren. Dort, jenseits des Flusses Mur, begann der Machtbereich der Sowjets, die auf die "Verräter" bereits auf der Brücke warteten.

Mehr als zwei Drittel der überstellten Kosaken-Offiziere kamen aus dem westlichen Exil und waren zuvor niemals Bürger der Sowjetunion gewesen. Demnach hätten sie nach dem Völkerrecht nie den Sowjets überstellt werden dürfen.

Danach ging man gegen die führungslos gewordenen Kosaken vor. Wurden die Russen bis dahin noch zuvorkommend und nicht wie Kriegsgefangene behandelt, so wurden die Lager am 30. Mai erstmals von bewaffneten bri­ti­schen Soldaten umstellt. Dramatische Szenen spielen sich beispielsweise m Lienzer Ortsteil Peggetz ab, wo 4.000 Kosaken kampierten. Ein Großteil der Kosaken übte passiven Widerstand. Doch die Briten gingen mit Knüppeln, Gewehrkolben und Bajonetten brutal gegen die Menschen vor. Viele wurden in der Panik totgetrampelt. Hunderte Kosaken, auch Frauen und Kinder, stürm­ten die Drau-Brücke, auf der britische Posten in Stellung gegangen waren. Ein Teil der Verzweifelten stürzte sich von der Brücke in den Fluss. Andere Kosa­ken-Gruppen verübten kollektiven Selbstmord. Noch Tage später wurden im Lienzer Umland Hunderte Leichen gefunden. Die Ereignisse gingen als "Tra­gödie an der Drau" in die Geschichte ein.

Viele Mütter versteckten ihre Babys im Wald, um ihnen das Leben in Stalins Gulags zu ersparen. Britische Suchtrupps durchkämmten in den folgenden Tagen die Gegend. Von denjenigen, die vor Festnahme und Auslieferung geflüchtet waren, griffen die Briten bis zum 30. Juni fast 1400 Personen auf und lieferten sie aus. Immerhin wurde nach dem 4. Juni bei den Gefassten die Staatsbürgerschaft überprüft, Exilanten genossen von da an Gnade. Erst Ende Juni stoppten die Briten die Auslieferungen, erster Vorbote des wachsenden Misstrauens zwischen den Siegerstaaten.

Die wenigen Kosaken, die es geschafft hatten, sich in den Wäldern zu ver­stecken, harrten dort noch Monate aus. Prof. Harald Stadler von der Uni Inns­bruck schätzt ihre Zahl auf maximal 500. Standen die Lienzer der Kosa­ken-Invasion ­ damals ganz Osttirol nur etwa 35.000 Einwohner ­- zunächst skeptisch gegenüber, so drehet sich die Stimmung nach den tragischen Ereignisse. Je nach Möglichkeit wurden die in die Berge geflohenen Kosaken versorgt.

Das Innenministeriums der UdSSR meldete am 15. Juni 1945 die Übernahme von gut 42.000 russischen Wlassow-Leuten. (von Andrei Andrejewitsch Wlas­sow, der die "Russische Befreiungsarmee" aufgebaut hatte)
Nur wenig ist über das Schicksal der ausgelieferten Menschen bekannt. Im Sommer 1945 wurden sowohl die kosakischen als auch die deutschen Sol­daten des Korps in den Ural und nach Workuta in Sibirien abtransportiert, wo sehr viele von ihnen umkamen. Generalleutnant Helmuth von Pannwitz wurde zusammen mit anderen Kosakengeneralen der "Spionage-, Diversions- und Terrortätigkeit gegen die Sowjetunion" für schuldig erklärt und zum Tode durch den Strang verurteilt. Dieses Urteil wurde am 16. Januar 1947 in den Kellern der Lubjanka vollstreckt. Am 23. April 1996 erfolgte von Pannwitz' Rehabilitierung durch die russische Generalstaatsanwalt, sie wurde aber bereits am 28. Juni 2001 von der Obersten Militärstaatsanwaltschaft als Fehlurteil wieder rückgängig gemacht.

In Lienz erinnern heute der Kosakenfriedhof in der Peggetz und ein Ge­denk­stein für den General Helmuth von Pannwitz und das XV. Kosaken­ka­val­le­rie-Korps in Tristach an das damalige tragische Geschehen. Jährlich finden dort Gedenkfeiern der Überlebenden und der Nachkommen statt. Vor einem Bauernhaus in Lienz steht ein Blumenkübel mit einem gusseisernen Übertopf. Es ist einer jener Kessel, die einst über den Feuern der Kosaken hingen. Ein stummer Zeuge des vergessenen Dramas an der Drau.

 

Quelle: http://www.mein-oesterreich.info/geschichte/kosaken.htm




Druckversion Druckversion | Sitemap
© Richard Rieger